ezzy » Kennzahlen » Relative Stärke Levy (RSL) – Was sagt uns der RSL?
Der Begriff ‚Relative Stärke Levy‘ (RSL) ist ein zentraler Terminus in der Finanzwelt, insbesondere im Bereich der technischen Analyse zur Bewertung von Aktien.
Aber was genau sagt er aus, wie kommt es zu Abweichungen vom RSL und was sollte man als Trader und Investor wissen? Wir klären auf!
Die Relative Stärke nach Robert A. Levy (RSL) ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Konzept aus der technischen Analyse. Sie misst, wie stark sich eine Aktie im Verhältnis zu ihrem eigenen Durchschnittskurs entwickelt – typischerweise über einen gleitenden Durchschnitt der letzten Monate (z. B. 26 oder 52 Wochen).
Levy leitete aus seiner Kennzahl eine klare und für Einsteiger gut umsetzbare Regel ab:
Kaufe starke Aktien und meide schwache.
Diese Herangehensweise ist ein typisches Momentum-Konzept:
Man setzt darauf, dass sich bestehende Trends fortsetzen. Gerade Anfänger machen oft den Fehler, vermeintlich „billige“ Aktien zu kaufen – die RSL kehrt diese Denkweise bewusst um.
Die Idee hinter der RSL wurde nicht nur von Levy selbst untersucht, sondern später auch wissenschaftlich bestätigt. In seiner Studie „Relative Strength as a Criterion for Investment Selection“ (1967) zeigte Levy, dass Aktien mit hoher relativer Stärke historisch besser abschnitten als schwache Titel.
Besonders bekannt ist die Arbeit von Narasimhan Jegadeesh und Sheridan Titman (1993). Sie analysierten den US-Aktienmarkt und fanden heraus, dass sogenannte Momentum-Strategien – also das Kaufen der Gewinner der letzten 3–12 Monate – über längere Zeiträume hinweg eine signifikante Überrendite erzielten. Je nach Zeitraum und Markt lagen die zusätzlichen Renditen oft im Bereich von etwa 6–12 % pro Jahr vor Kosten.
Auch spätere Backtests und Studien (z. B. von AQR Capital Management) bestätigten diesen Effekt über verschiedene Märkte hinweg. Momentum zählt heute zu den robustesten bekannten Faktoren in der Finanzmarktforschung.
Für Einsteiger ist die RSL vor allem ein praktischer Filter:
Statt aus hunderten Aktien zufällig auszuwählen, konzentriert man sich auf die stärksten Werte im Markt. Das reduziert Komplexität und hilft, disziplinierter zu handeln.
Im Aktienhandel kann man beispielsweise regelmäßig die stärksten Aktien eines Index auswählen.
Im Optionshandel ist die RSL besonders nützlich, weil viele Strategien trendabhängig sind. Wer etwa Call-Optionen kauft oder Short Puts und Bull Spreads aufsetzt, erhöht seine Chancen, wenn er auf bereits starke Aktien setzt.
Trotzdem sollte man die Grenzen kennen:
Momentum funktioniert nicht immer. In Seitwärtsphasen oder bei plötzlichen Marktumschwüngen kann die Strategie schnell an Performance verlieren. Außerdem entstehen durch häufiges Umschichten Kosten, die die Rendite schmälern können.
Unterm Strich ist die Relative Stärke nach Levy kein vollständiges Handelssystem, sondern ein bewährter Baustein.
Richtig eingesetzt – kombiniert mit Risikomanagement und klaren Ausstiegsregeln – kann sie jedoch gerade Einsteigern helfen, strukturierter und näher am tatsächlichen Marktverhalten zu handeln.
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