Der Net Asset Value (NAV)

Der Begriff ‚Net Asset Value‘ (NAV) ist ein zentraler Terminus in der Finanzwelt, insbesondere im Bereich von Investmentfonds. Aber was genau sagt er aus, wie kommt es zu Abweichungen vom NAV und was sollte man als Trader und Investor wissen? Wir klären auf!

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Net Asset Value – Definition und Berechnung

Der sogenannte Net Asset Value (NAV) beschreibt den Nettoinventarwert eines Fonds. Das ist der Gesamtwert aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten, geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Der NAV ist ein entscheidender Indikator für den Wert eines Investmentfonds und wird üblicherweise täglich berechnet und veröffentlicht. Die Berechnung des Nettoinventarwerts erfolgt nach einer relativ einfachen Formel.

Berechnung

NAV = (Wert der Vermögenswerte − Verbindlichkeiten) / Anzahl der ausgegebenen Anteile
Abb. 1) Formel zur Berechnung des Nettoinventarwerts

Dabei umfassen die Vermögenswerte alle Wertpapiere, die ein Fonds hält. Dazu zählen z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien und liquide Mittel. Die Verbindlichkeiten eines Fonds können z. B. aufgenommene Kredite oder ausstehende Gebühren umfassen. Der Wert eines einzelnen Fondsanteils entspricht somit dem NAV pro Anteil. Anleger, die Anteile an einem Fonds erwerben, kaufen also Anteile am NAV. Beim Verkauf ihrer Anteile erhalten sie daher den aktuellen NAV pro Anteil.

Herausforderungen bei der NAV-Berechnung

Die Berechnung des NAV ist in der Praxis oft komplexer, als die einfache Formel suggeriert. Denn besonders bei illiquiden oder schwer zu bewertenden Vermögenswerten, z. B. in Immobilienfonds, kann die genaue Bestimmung des Nettoinventarwerts eine Herausforderung darstellen. Zudem können zeitliche Verzögerungen bei der Bewertung der Vermögenswerte zu Ungenauigkeiten führen.

Net Asset Value (NAV)

Bedeutung des NAV für Anleger und Trader

Der Nettoinventarwerts ist ein wichtiger Indikator für Anleger, da er ihnen eine klare Vorstellung über den aktuellen Wert ihrer Fondsanteile gibt. Ein steigender NAV signalisiert, dass der Fonds an Wert gewinnt. Währenddessen weist ein fallender NAV darauf hin, dass der Wert der Fondsanteile sinkt.

Wichtig ist, dass der NAV nicht direkt die zukünftige Wertentwicklung des Fonds vorhersagt, sondern lediglich den aktuellen Wert abbildet. Die Performance eines Fonds hängt zudem von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählt z. B. die Kursentwicklung der zugrundeliegenden Vermögenswerte, die Entwicklung der Währungsseite und vieles mehr.

Während der NAV bei traditionellen Investmentfonds oft nur einmal täglich berechnet wird, haben börsengehandelte Fonds (ETFs) einen etwas anderen Mechanismus. Exchange Traded Funds (ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Das bedeutet, ihr Marktpreis kann von ihrem NAV abweichen. Dies liegt daran, dass der Preis eines ETFs während des Handelstages durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Im Gegensatz dazu spiegelt der Nettoinventarwert den tatsächlichen inneren Wert des Fonds wider. Arbitrage-Möglichkeiten existieren, wenn es zu signifikanten Abweichungen zwischen dem NAV und dem Marktpreis eines ETFs kommt.

Gründe für Auf- und Abschläge

Es gibt mehrere Gründe, warum ein Fonds deutlich über oder unter seinem Net Asset Value gehandelt werden kann. Außerdem gibt es für Anleger Möglichkeiten, um solche Situationen zu nutzen.

  • Stimmung: Der Börsenkurs eines Fonds kann vom NAV abweichen, wenn Anleger optimistischer oder pessimistischer bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Fonds sind, als der aktuelle NAV widerspiegelt. Positive Quartalsergebnisse können beispielsweise zu einer erhöhten Nachfrage und einem Kurs über dem NAV führen.
  • Liquidität: Bei Fonds mit illiquiden Vermögenswerten, wie Immobilien, kann der Markt einen Abschlag auf den NAV vornehmen. Immobiliengesellschaften werden oft mit einem Abschlag von 30% oder mehr auf ihren NAV gehandelt, da der Markt illiquide Vermögenswerte weniger attraktiv findet.
  • Spezielle Produktart: Bei alternativen Investmentfonds (AIF) kann der NAV nur geschätzt werden, was zu Abweichungen vom tatsächlichen Marktwert führen kann.
  • Markteffizienz: Eine konstante Diskrepanz zwischen Börsenkurs und NAV könnte auf eine mangelnde Markteffizienz hindeuten, bei der der Markt den wahren Wert der Vermögenswerte nicht korrekt widerspiegelt.
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Beispiel: Bitcoin Trust

Ein gutes Beispiel für dieses Phänomen ist der Grayscale Bitcoin Trust (GBTC). Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Fonds, der direkt in Bitcoin investiert. Der Trust wird an der Börse gehandelt, ähnlich wie eine Aktie. Er bietet Anlegern somit die Möglichkeit, indirekt in Bitcoin zu investieren, ohne die Kryptowährung direkt zu kaufen und zu verwahren.

In den frühen Jahren des GBTC, insbesondere in Zeiten steigender Bitcoin-Preise, wurde der Trust häufig mit einem erheblichen Aufschlag zum NAV gehandelt. Das bedeutete, dass Anleger bereit waren, deutlich mehr für GBTC-Anteile zu zahlen, als der zugrunde liegende Wert der gehaltenen Bitcoins rechtfertigte. Dieser Aufschlag konnte in einigen Fällen 20% bis 100% oder sogar mehr betragen!

Gründe für hohe Prämien

  • Begrenzte Alternativen: Während der frühen Jahre des GBTC gab es nur wenige Alternativen für institutionelle und traditionelle Anleger, um in Bitcoin zu investieren. Der GBTC bot eine bequeme Möglichkeit, Bitcoin-Engagement in regulierten Märkten zu erwerben, was die Nachfrage und damit den Aufschlag zum NAV erhöhte.
  • Marktzugang: Einige Investoren hatten keinen direkten Zugang zu Kryptowährungen, entweder aufgrund regulatorischer Beschränkungen oder mangelnder technischer Kenntnisse. Der GBTC ermöglichte es diesen Anlegern, über ihre traditionellen Brokerkonten Bitcoin-Engagement zu erwerben, was zu einem Aufschlag führte.
  • Eingeschränkte Liquidität: Der GBTC ist ein geschlossener Fonds, was bedeutet, dass neue Anteile nicht beliebig erschaffen werden können, um die Nachfrage zu befriedigen. Dies führte in Zeiten hoher Nachfrage zu einem Aufschlag, da das Angebot begrenzt war.

Seit 2021 hat sich der Markt jedoch verändert. Der GBTC begann, oft unter seinem NAV gehandelt zu werden. Dieser Abschlag erreichte zeitweise mehr als 30%.

Gründe, warum der GBTC oft unter seinem NAV gehandelt wird

  • Einführung von Bitcoin-ETFs: In verschiedenen Ländern wurden Bitcoin-ETFs eingeführt, die im Gegensatz zum GBTC keinen geschlossenen Fonds darstellen und daher besser in der Lage sind, Preisabweichungen durch die Schaffung und Rücknahme von Anteilen auszugleichen. Diese ETFs boten Anlegern eine alternative Möglichkeit, um in Bitcoin zu investieren, was die Nachfrage nach GBTC verringerte.
  • Konvertierungsunsicherheit: Grayscale hatte angekündigt, den GBTC in einen ETF umzuwandeln, was theoretisch den Abschlag beseitigen könnte, da ETFs in der Regel eng am NAV gehandelt werden. Allerdings blieb unklar, ob und wann die Umwandlung genehmigt würde, was Unsicherheit und damit einen Abschlag erzeugte.
  • Eingeschränkte Rücknahmemöglichkeit: Da GBTC ein geschlossener Fonds ist, können Investoren ihre Anteile nicht direkt beim Trust zum NAV zurückgeben, wie es bei ETFs möglich wäre. Dies bedeutet, dass es keinen natürlichen Mechanismus gibt, um den Preis des Fonds mit seinem NAV in Einklang zu bringen, was zu anhaltenden Abschlägen führen kann.

Fazit

Der Net Asset Value (NAV) oder Nettoinventarwert ist ein zentrales Konzept für die Bewertung von Investmentfonds und gibt Anlegern einen klaren Einblick in den Wert ihrer Anteile. Obwohl die Berechnung auf einer einfachen Formel basiert, gibt es in der Praxis zahlreiche Faktoren, die den NAV beeinflussen können. Ein fundiertes Verständnis des NAV hilft Anlegern dabei, bessere Entscheidungen zu treffen und die Wertentwicklung ihrer Fondsanteile realistisch einzuschätzen.

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